Max Frankl

Wichtig: Miteinander spielen

Max Frankl
Wichtig: Miteinander spielen

Mit Sicherheit sind alle Fragen danach berechtigt, welches Material man in welchem musikalischem Kontext anwenden kann. Natürlich ist es sehr interessant, alle Upper-Structure-Dreiklänge über erweiterte Vierklänge zu kennen und rhythmische Überlagerungen wie 5 über 7 klatschen und vor allem spielen zu können. Man sollte im Optimalfall ein breites Repertoire an Stücken verschiedenster Stilistiken spielen, eigene Stücke komponieren und eine musikalische Vision ausdrücken. Sicher, all das ist wichtig. Über dieser Menge an Material ist es leicht, dass man aber folgende Essenz der Musik vergisst: Wenn man Musik macht, tut man dies (fast) immer mit anderen Menschen. Daraus folgt, dass alle Inhalte immer im Kontext des Miteinander-Spielens passieren. Sprich, jegliche nur artistische Komponente ist so gut wie sinnlos, wenn sie sich nicht in den natürlichen Fluss der Musik einbettet und natürlich geschehen kann. Zudem ist es enorm wichtig, zu erkennen, dass das Spielen mit anderen Menschen eine Qualität für sich ist, die immer wieder stark unterschätzt wird. Dazu gehört zum Beispiel, dass man das Solo eines anderen Musikers so begleitet, dass ihm Flügel wachsen und er sich nicht von der Menge an Voicings zu Boden gedrückt fühlt. Dazu gehört auch, immer den Sound der gesamten Band zu berücksichtigen und sich im richtigen Moment auch zurücknehmen zu können. Dass man pünktlich ist, Vereinbarung einhält, verlässlich handelt und die gemeinsame Arbeit so einfach und reibungslos wie möglich gestaltet muss man eigentlich nicht erwähnen, trotzdem: Dieses Wissen scheint theoretisch vorhanden zu sein, in der Praxis herrscht meiner Meinung nach Verbesserungsbedarf. Es überrascht mich nicht, dass viele großartige Musiker genau dies wissen und auch erzählen, wenn man sie mal mit dem ganzen Voicing- und Skalenwahnsinn in Ruhe lässt.