Max Frankl

Metronom-Meditation

Max Frankl
Metronom-Meditation

Ich weiss natürlich nicht, welche Erfahrungen ihr im Musikunterricht gemacht habt. Was ich weiss, ist, dass viele Menschen, die jemals ein Instrument gelernt haben, das Metronom hassen. Wie ich das wissen kann? Während meiner Zeit als Student habe ich viele Privatschüler unterrichtet und immer wenn ich das besagte Hilfsmittel auch nur berührt habe, hat sich der Gesichtsausdruck meiner Schülerinnen und Schüler markant verändert. An meinem Unterricht konnte es nicht liegen, denn ich beschreibe hier den ersten Einsatz des Folterinstruments. Ihr ahnt es schon, ich will darauf hinaus, dass man da wohl Erfahrungen gemacht hat, die die Bezeichnung zu Beginn dieses Satzes durchaus rechtfertigen.

Warum das so ist? Gegenfrage: Mögt ihr Fahrkartenkontrollen in der Tram oder S-Bahn? Nein? Warum nicht? Ihr habt eure Fahrkarte doch dabei. Könnte es daran liegen, dass diese Situation nur dazu da ist, den fehlerhaften Fahrgast zu finden? Den, der entweder absichtlich betrügt oder aus Versehen seine Karte nicht dabei hat? Oder tatsächlich vergessen hat, eine Fahrkarte zu kaufen? Ich fühle mich unter Generalverdacht nicht besonders wohl. Der Einsatz des Metronoms kann in vielen Fällen vergleichbar klassifiziert werden.

Hier ist meine Abhilfe dagegen: Ab heute ist das Metronom euer bester Freund. Stellt euch vor, er würde 'Paul' heissen und Schlagzeug spielen. Ihr werdet nun jeden Morgen mit Paul in einem angenehmen Tempo Viertelnoten spielen. Dazu stellt ihr 'Paul' auf Tempo 20 ein (Metronom-App nehmen), sucht euch einen Ton aus und schlagt diesen zu jedem Schlag mit ihm an. Paul ist der geduldigste Drummer der Welt. Ihn interessieren Ungenauigkeiten überhaupt nicht, er geniesst es einfach, mit euch Musik zu machen. Spielt ab jetzt jeden Morgen fünf Minuten mit Paul und jedes Mal, wenn ihr denkt, dass ihr wieder nicht mit dem Schlag zusammen wart, sagt euch: "Danke für die Info. Ich habe sie gehört, will aber lieber mit Paul Musik machen".