MUSICMarcus Admin

Floating in Lydian

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Floating in Lydian

Meine erste Begegnung mit Lydisch war der Moment, als ich zum ersten Mal Pat Methenys Album „Bright Size Life“ gehört habe. Obwohl ich auch zuvor schon Gitarristen wie Kenny Burrell, George Benson oder Herb Ellis gehört hatte, war Pats Sound und Phrasierung total neu für mich. Eine andere Ebene, die mich damals völlig beeindruckt hat, waren seine Kompositionen und der Einsatz von Slash-Chords. Natürlich wusste ich damals nicht, dass diese Sounds so heissen, das habe ich erst später erfahren, als ich mich intensiver mit seinen Akkorden und Voicings auseinandergesetzt hatte. Lydisch wurde später dann mein absoluter Lieblings-Sound, auch meine erste eigene Komposition bestand zum grössten Teil aus lydischen Akkorden. Ich habe beim Verfassen dieses Artikels länger überlegt, warum genau Lydisch –zumindest für mich- so eine grosse Anziehungskraft hat. Ich denke, dass dieser Klang alle positiven Eigenschaften der Durtonleiter umfasst: Die grosse Septime, die sehr offen und beruhigend klingt. Die grosse Sexte, die dem Durdreiklang eine gewisse zusätzliche Stabilität verleiht. Die grosse None, die den anderen beiden Intervallen noch mehr Offenheit und Stärke verlieht. Und dann ist da schliesslich die erhöhte Quarte, die #11, die einen gewissen Anteil an Exzentrik hinzufügt, gleichzeitig aber einen wunderbar spacigen Sound kreiert. Um es zusammenzufassend zu sagen: Lydisch ist der grosse, coolere Bruder von Dur. Das ist aber nur meine Meinung.