BLOGMax Frankl

Akkordsalat auf der Jazzgitarre?

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Akkordsalat auf der Jazzgitarre?

Warum sind Akkorde auf der Jazzgitarre so wichtig, wenn man Jazz spielen will?

Während man auf YouTube in sehr grosser Zahl Guitar Heroes sieht, die beeindruckende Soli spielen, drückt im Gegensatz dazu bei all den lernwilligen und enthusiastischen Gitarristen der Schuh meist an einer anderen Stelle. Gerade auf der Gitarre möchten Menschen Songs spielen und empfinden grosses Glück, wenn sie mit ein paar Voicings den Song begleiten und ihn so vor dem inneren Ohr hören können. Ein paar Jazzakkorde sind schnell gelernt und schon kann man seinen Lieblingsstandard ganz gut spielen. An dieser Stelle stoppen die meisten, um sich dann dem oben erwähnten Solohandwerk ausgiebig zuzuwenden. Ein Fehler, den viele Gitarristen machen, die Jazz spielen wollen.

Hier findest du Hilfe, falls du dich in dieser Situation wiederkennst - Du kannst dir hier ein PDF mit allen Drop-2 Voicings für maj7, min7, dom7, m7b5 und dim7 auf den oberen vier Saiten inklusive Fingersätzen und Griffdiagrammen herunterladen. Zusätzlich dazu bekommst du auch meinen Newsletter, der die jeden Monat meine besten Tipps, exklusive Give-Aways und andere kostenlose Tricks direkt in die Inbox schickt.

Jazz auf der Geburtstagsfeier

Wir spulen mal drei Monate voraus zu einem kleinen Gig auf der Geburtstagsfeier des besten Freundes. Unter dem Applaus der Feiergemeinschaft wird die geliebte Gitarre aus dem Gigbag geschält und zu unserem Protagonisten gesellen sich noch ein Bassist sowie eine Sängerin. Besser geht es in diesem Rahmen eigentlich nicht, eine kleine aber feine Besetzung, mit der man nun ein paar schöne Songs zum Besten geben kann. Wir gehen kurz also diejenigen Stücke durch, die allen bekannt sind; es stellt sich heraus, dass wir in diesem Setting an der Gitarre vor allem Akkorde spielen werden.

Leider können wir uns an die Chords von „All Of Me“ nicht mehr erinnern- während wir irgendetwas von Zwischendominanten erzählen, die wir mit melodisch Moll zu gestalten versuchen; wir hatten das mal in irgendeinem Kurs gehört. Ups. Schon nach dem ersten Chorus klingen die Basstöne für unsere Ohren ganz exotisch und auch die Sängerin schaut uns eher ent- als begeistert an. Könnte daran liegen, dass wir gerade einen Fmb6-Akkord gespielt haben, während der Rest der Band eher in Cmaj7-Land unterwegs war.

Wir haben dem Akkord Cmaj7 also eine kleine Sext und die reine Quarte ans Bein gebunden, die sein Akkordsymbol geringfügig zu Cmaj7(b9, 11) verändern und den Klang eher ins Reich der Zwölftonmusik verbannen. Hm. Was haben wir falsch gemacht? Ist das etwa kein Jazz, hippe Noten hinzuzufügen? Anderer Rahmen, anderes Setting:

Jazzin’ around

Die Hochschule für Musik in unserer favorisierten Stadt. Wir haben es geschafft und die Aufnahmeprüfung bestanden, offiziell und endlich Studentin der Jazzgitarre! Die ersten Tage laufen ganz gut, ein bisschen Gehörbildung hier, ein bisschen Blattlesen da. Alles wunderbar. Bis zur ersten Ensemblestunde. Dort spielen wir „Skylark“, ein Stück, das uns immer gefallen hat und das wir als fortgeschrittene Musikerin doch locker bewältigen können. Die Changes kennen wir so halb, aber mit einem Blick auf den Hals des Bassisten sollten wir das hinkriegen. Es läuft gut. Bis der Workshop-Leiter ankündigt, dass wir das Stück jetzt in A-Dur statt Eb-Dur spielen werden. Ups, das ist also auch Jazz. Die ersten drei Akkorde können wir noch sehr gut herleiten, dann wird es allerdings kritisch. Wir sind verwirrt. Sehr sogar. Jetzt hat es auch der Bassist gemerkt, denn er zeigt uns an, dass wir die Augen auf seine linke Hand zu richten haben. Höchststrafe.

Aber auch unser Dozent ist leicht irritiert und das nicht, weil sie in seinen Kursen nie jemand verspielen würde. Sondern eher, weil die Diskrepanz zwischen dem ersten Durchgang und der jetzt stattfindenden Katastrophe so groß ist. Nichts, was man nicht kitten könnte, aber mit dem erhofften Engagement in der Band des bewunderten und hochdekorierten Saxofon-Stars, der unseren Workshop leitet, wird es wohl erstmal nichts mehr.

Keine Basis an Akkorden vorhanden

Du fragst dich jetzt sicher, was beide Situation gemeinsam haben, schliesslich reden wir von komplett unterschiedlichen Niveaus und Spielsituationen. Und doch sehe ich einen ähnlichen Grund für das jeweilige Problem:

Es ist keine stabile Basis der wichtigen Gitarrenakkorde verfügbar, die wir in jeder Situation anwenden könnten. Wir kennen mal einen guten Griff und ein nettes Voicing da, sind aber total aufgeschmissen, wenn die Tonart das Lieblings-Voicing unmöglich macht oder wenn es einfach zu lange her ist, dass wir uns mit den Akkorden beschäftigt haben. Beides führt dazu, dass wir die Form des Stückes verlieren und im Dickicht der Akkordverbindungen nach bekannten Klängen suchen, vergeblich natürlich.

Salat strukturieren

Was wir jetzt tun müssen, ist, das ganze Durcheinander mal richtig aufzuräumen. Es spricht natürlich nichts dagegen, tolle und spannende Voicings zu lernen, auch wenn man sie aufgrund der Lage oder des Sounds nicht ständig anwenden kann. Was man aber unbedingt genauso oft machen sollte, ist, sich ein Vokabular an einfach anwendbaren Griffen anzueignen, das man mühelos anwenden kann. Genauso wichtig ist es, die Akkorde eines Stückes immer und immer wieder zu üben und sich auch den harmonischen Ablauf einzuprägen. Denn wenn ich weiss, dass „Skylark“ auf der Tonika beginnt, dann auf die II.Stufe wechselt, um dann über die III. Stufe zur Subdominante zu wechseln, kann ich genau dieses Muster auch in einer anderen Tonart spielen.

Drop-2 gegen die Unsicherheit

Ein absolut bewährtes Mittel gegen Akkordsalat ist es, erstmal einen Stamm an gut klingenden Voicings aufzubauen, mit dem man das jeweilige Stück spielt. Hierfür gibt es viele Ansätze, wärmstens empfehlen möchte ich an dieser Stelle die Drop2- Voicings auf den höchsten vier Saiten. Das waren die Jazzakkorde, die ich im Unterricht zuerst gelernt habe und die ich dir hier zeige. Drop-2 bezieht sich drauf, dass im Gegensatz zur engen Lage (Dm7, enge Lage: d, f, a, c) der zweitoberste Ton eine Oktave tiefer gespielt wird (Dm7, Drop-2: a, d, f, c). Diese Gitarrenakkorde können wir in jeder Umkehrung gut spielen.

 Vier Voicings für Dm7, die gut klingen und leicht zu greifen sind

Vier Voicings für Dm7, die gut klingen und leicht zu greifen sind

Stimmführung is King

Wir haben pro Akkordtyp vier unterschiedliche Griffe zur Verfügung, die wir innerhalb der ersten zwölf Bünde einsetzen können. Das erlaubt uns, dass wir immer zu einem Akkord in der Nähe wechseln können und so auch das Prinzip einer sinnvollen Stimmführung anwenden. Denn jeder Ton sollte bei guter Stimmführung immer zu dem Ton wechseln, der am nächsten liegt. So stellen wir als auch sicher, dass J.S. Bach mit uns zufrieden ist.

Los geht’s!

Wenn du jetzt überzeugt bist, dass dein Akkordsalat mal ein Update braucht, kannst du dir unter diesem Artikel ein PDF mit allen Drop-2 Voicings für maj7, min7, dom7, m7b5 und dim7 auf den oberen vier Saiten inklusive Fingersätzen und Griffdiagrammen herunterladen. Zusätzlich dazu bekommst du auch meinen Newsletter, der die jeden Monat meine besten Tipps, exklusive Give-Aways und andere kostenlose Tricks direkt in die Inbox schickt. Damit verhindern wir beide oben beschriebenen Szenarien und stellen sicher, dass du beim Spielen von Jazzstandards die Freude spürst, die man kennt, wenn es einfach läuft und Musik zu mehr wird als zu einer Ansammlung von gefährlichem Halbwissen auf der Gitarre. Viel Spaß damit!