BLOGMax Frankl

Tolle Akkorde für II-V-I Verbindungen gesucht?

BLOGMax Frankl
Tolle Akkorde für II-V-I Verbindungen gesucht?

Was für Nicht-Musiker wie eine kryptische Durchsage im Supermarkt klingt („Frau Müller, 71 bitte 25“), lässt Gitarristen nicht kalt, vor allem, wenn es sich um exotische Akkordfolgen wie C#m7, F#7 und Bmaj7 handelt. Schnell ergreift einen blanke Panik, die nur jemand spüren kann, der sich sechs Saiten und ein Holzbrett umgeschnallt hat und auf einem viel zu weit entfernten Notenblatt diese Symbole entdeckt.

Stress ergreift Besitz von einem, dem man in so kurzer Zeit natürlich nicht adäquat begegnen kann. Nach dem dritten oder vierten Durchgang lichtet sich das Chaos vielleicht ein wenig, trotzdem bleibt nach der Session oder dem Konzert die Erkenntnis übrig, dass „ich das mit den Akkorden nie verstehen werde“.

Ich möchte heute ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Natürlich findest du unter diesem Artikel wieder ein PDF, das dir die Lösung der oben genannten Probleme in Lichtgeschwindigkeit auf den Notenständer zaubert. Zuerst müssen wir aber mal genau hinschauen, was eine II-V-I Kadenz überhaupt ist. Wenn wir das verstanden haben, können wir schauen, wie wir sie auf der Gitarre spielen können und vor allem, wie man sie so übt, dass man auf einer Bühne auch tatsächlich damit Musik macht.

Warum II-V-I?

Letztendlich ist Musik nichts anderes als der Wechsel von Spannung und Entspannung. Wenn wir als Zuhörer beide Zustände und ihren Verlauf erleben, sind wir in der Lage, mit der Musik mitzufühlen. Sie nimmt uns in Beschlag und lässt uns teilhaben an einer Erfahrung, die wir in dieser Form nur mit Musik machen können. Wir erleben eine Geschichte, folgen einem roten Faden, der uns durch unterschiedliche Aggregatszustände schickt.

II-V-I erzählt eine Story

Die II-V-I Verbindung ist nichts anderes als der Ausdruck einer musikalischen Geschichte. Wir müssen die einzelnen Stufen einer Tonleiter als unterschiedliche Zustände begreifen: Die I.Stufe steht für Entspannung, für ein musikalisches Zuhause. Der dazugehörige Akkord verdeutlicht diesen Eindruck: Ein Cmaj7-Akkord kann viele verschiedene Klangfarben annehmen, die meisten werden für unsere Ohren wie ein vertrauter, heimischer Sound klingen. Der Akkord der II-Stufe, Dm7, klingt für uns jedoch nach Aufbruch. Seine Spannung bezieht er aus einer Erwartung dessen, was kommen wird, sie ist uns aber eher willkommen ohne dass wir sie möglichst schnell auflösen möchten. Ganz anders der Akkord der V-Stufe, G7: Er enthält viel Spannung, die zu einer Auflösung drängt.

Wenn wir nun also zurück zu unserer eingangs erwähnten II-V-I Verbindung gehen, sehen wir, dass sie uns eine Geschichte erzählt:

II: Aufbruch

V: Spannung

I: Entspannung

So wie wir diese Geschichte nur im Zusammenwirken dieser drei Elemente begreifen können, müssen wir auch auf dem Griffbrett diese Akkorde als ein grosses Ganzes sehen. Wir könnten uns von Akkord zu Akkord hangeln, wären in der Praxis aber mit Sicherheit zu langsam. Ausserdem würden wir viele Möglichkeiten einer tollen Stimmführung vergeben, weil wir nicht vorausschauend spielen, sondern Akkord für Akkord greifen.

Hier kommt die Lösung

Man muss eine Ansammlung von Akkorden aufbauen, mit denen man eine solche Kadenz spielen kann. Natürlich kann man dafür einzelne Akkorde, z.B. Drop2-Akkoorde aneinanderreihen und schauen, ob einem das Ergebnis gefällt. Eine andere, bessere Möglichkeit ist es, nach Kombinationen von Akkorden zu suchen, die andere Gitarristen in der Praxis bereits anwenden. Google und YouTube bieten hier endlose Anregungen, die Frage ist eben nur, ob einem die gespielten Kadenzen wirklich gefallen. Diese Auswahl muss natürlich jeder für sich selbst treffen.

Meine Lieblings-Varianten für II-V-I

Da dieser Blog aber immer Lösungen anbieten will, spiele ich dir hier meine zwei Lieblings-Kadenzen hier kurz vor. Möchtest du die beiden Kadenzen als PDF inklusive Fingersätzen, Noten und Tabulatur, kannst du dir sie unten auf deinen Computer laden. Sie sind sehr gut im Bandkontext verwendbar, weil sie keine Bass-Note enthalten, die mit frequenz-technisch unserem Bassisten in die Quere kommt. Sie erzählen eine musikalische Geschichte, weil sie alle drei Aggregatszustände perfekt abbilden und uns so die Möglichkeit geben, einen roten Faden durch unsere Akkordfolge zu spinnen. Zusätzlich dazu sind sie leicht anzuwenden und in jegliche Tonart leicht zu übertragen.

 
 II V I Akkorde Nr.1

II V I Akkorde Nr.1

 
 
 
 II V I Akkorde Nr.2

II V I Akkorde Nr.2

 

 

Tipps für die Anwendung

Mit der Zeit wird es dir leichtfallen, II-V-I Kadenzen auf dem Notenblatt schnell zu erkennen. Anhaltspunkte, dass wir es mit einer solchen Akkordfolge zu tun haben, bietet uns die Abfolge der Akkordtypen; aber nicht nur sie, sondern auch die Tatsache, dass II. und I.Stufe nur einen Ganzton auseinander sind, könnte schon ein wichtiges Zeichen für eine solche Kadenz sein. Finden wir dann in der Mitte einen Dominantsept-Akkord, können wir uns sehr sicher sein, dass wir es mit einer ausgewachsenen II-V-I Kadenz zu tun haben.

Los geht’s!

Nimm meine beiden Kadenzen und wende sie in deinem Lieblings-Standard an. Mögliche Stücke, die viele II-V-I Kadenzen enthalten sind zum Beispiel:

Tune-Up

All the Things You are

Have you met Miss Jones

Night and Day

Du kannst dir hier ein PDF mit tollen Akkorden für II-V-I Verbindungen inklusive Fingersätzen und Griffdiagrammen herunterladen. Zusätzlich dazu bekommst du auch meinen Newsletter, der die jeden Monat meine besten Tipps, exklusive Give-Aways und andere kostenlose Tricks direkt in die Inbox schickt.