BLOGMax Frankl

Wie Du in der Hälfte der Zeit mehr als doppelt so viel lernst

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Wie Du in der Hälfte der Zeit mehr als doppelt so viel lernst

Wie man endlich seine Ziele auf der Gitarre erreicht

Lesedauer: ca. 5 Minuten

Es klingt einfach: „Du musst üben, üben, üben!“ So hört man es an jeder Ecke und von jedem Gitarrenlehrer. Tatsächlich kann ein Mensch, der sich länger mit einer bestimmten Sache beschäftigt, bemerkenswerte Fortschritte erzielen. So viel zur Theorie. Denn so einfach ist es eben nicht. Wir schauen uns heute an, wie du 100% effektiver, mit mehr Spass und so üben kannst, dass du endlich deine Ziele auf dem Instrument erreichst.

Und damit du sofort selbst ausprobieren kann, warum du im Flow doppelt so schnell und mit extrem viel Spass lernst, bekommst du in diesem Artikel auch eine Kurzanleitung, die du gleich nach dem Lesen des Artikels umsetzen kannst. Bereit? Dann geht es jetzt los:

Ich bin ein sehr interessierter Gitarrist, der Musik über alles liebt, und nie genug davon bekommen kann. Ich will immer weiterlernen, mich verbessern und meinen Horizont erweitern. Warum war es dann jahrelang für mich so schwierig, wirklich kontinuierlich und mit Spaß zu üben? Wieso habe ich mich trotz spannender Inhalte oft gefragt, ob ich richtig übe? Wieso ist mir zwischendrin öfter sogar langweilig geworden? Warum habe ich mich ablenken lassen und so die Lust am Üben verloren?

 Max im Flow

Max im Flow

Dieser Frage bin ich schon während meines Studiums nachgegangen und meine Recherchen haben spannende Ergebnisse zu Tage gefördert. Inzwischen übe ich dank der von Andreas Burzik begründeten Technik des Üben im Flow mit großem Elan, gehe vollkommen in meinem Tun auf und verbessere mich in großen Schritten von Woche zu Woche. Insgesamt setze ich aber viel weniger Zeit ein, lerne schneller und bin während des Übens entspannt und glücklich, weil die zweifelnden Stimmen im Kopf verschwunden sind. Und das kannst du auch!

Es ist nämlich völlig unabhängig vom eigenen Wissensstand und klappt bei jedem Menschen. Man kann es übrigens gut daran sehen, dass viele Jogger unabhängig vom Leistungsstand das fließende, einfache Gefühl kennen, wenn es einfach läuft. Dieser Blogartikel wird dir zeigen, wie du diesen Zustand auf deinem Instrument erreichst und so effektiv lernst, dass die Information tief in deinem Gehirn und deinen Muskeln abgespeichert wird.

Aber nicht nur das. Du lernst, das Üben wirklich zu genießen, die zweifelnden Stimmen im Hintergrund auf mute zu stellen und im Moment zu sein. Und keine Angst, Flow ist keine esoterische Theorie, an die man glauben muss, damit sie klappt. Was im Gehirn passiert, hat die Forschungsrichtung der Positiven Psychologie intensiv untersucht. 

Wann kommt Flow zustande? 

Klarheit der Ziele und unmittelbare Rückmeldung

Diese beiden Komponenten bieten vor allem viele sportliche Disziplinen sowie künstlerische Betätigungen. Diese gehören deshalb zu den klassischen Flow-Aktivitäten. Ein Tennisspieler weiß, was nötig ist, um ein Match zu gewinnen. Die Regeln sind klar, und Erfolg wie Misserfolg einer jeden Handlung werden unmittelbar erlebt.

Das Verhältnis zwischen Anforderungen und Fähigkeiten

Der Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe muss im richtigen Verhältnis zu den Fähigkeiten der handelnden Person stehen. Ein zu schwieriges Stück wird einen Musiker über kurz oder lang frustrieren und entmutigen, ein zu leichtes hingegen wird schnell langweilen.

Eine hohe Konzentration auf ein begrenztes Feld

Sie erlaubt es, tief in eine Aktivität einzutauchen. Im Gegensatz dazu stehen eine häufig zerstreute Aufmerksamkeit und die mitunter chaotischen und widersprüchlichen Anforderungen des Alltags, die daher ein Gefühl der Verwirrung und Unzufriedenheit hinterlassen können.Die folgenden vier Komponenten beschreiben die subjektiven Empfindungen, die mit Flow- Erfahrungen einhergehen: Es handelt sich hier um ein Gefühl erhöhter Kontrolle, die Mühelosigkeit des Handlungsablaufs, eine Veränderung des Zeiterlebens sowie das Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein.

Was ist Flow?

 Mihaly Csikszentmihaly | © Claremont Graduate University

Mihaly Csikszentmihaly | © Claremont Graduate University

Der Flow-Zustand wird von jedem Menschen während einer Vielzahl von Tätigkeiten erlebt und fast immer auf ähnliche Art beschrieben.

Der Begründer der Flow-Theorie, Mihaly Csikszentmihalyi, der während seiner Forschungsarbeit mehrere tausend Interviews geführt und alle Erkenntnisse in Statistiken festgehalten und ausgewertet hat, fasst die Erfahrungen seiner Studienteilnehmer zum Thema Flow so zusammen:

"In den frühen siebziger Jahren sprach ich mit Schachspielern, Bergsteigern, Musikern und Basketballspielern. Ich bat sie zu beschreiben, was sie erlebten, wenn das, was sie taten, richtig gut lief. Natürlich rechnete ich mit den unterschiedlichsten Geschichten. Doch die Interviews schienen sich in vielen wesentlichen Aspekten auf ein und dieselbe Qualität der Erfahrung zu konzentrieren. Zum Beispiel sagten alle, dass man völlig in dem, was man täte, aufginge, dass die Konzentration sehr hoch wäre, dass man von Augenblick zu Augenblick genau wisse, was man zu tun habe und eine sehr direkte und schnelle Rückmeldung darüber erhielte, wie gut man bei seiner Arbeit wäre, und weiter noch, dass den eigenen Fähigkeiten zwar das Äußerste, jedoch nie zu viel abverlangt würde. Mit anderen Worten, die Herausforderungen und die Fertigkeiten hielten sich die Waage. Und waren all diese Bedingungen simultan gegenwärtig, vergaß man seine Alltagssorgen und sogar sich selbst als etwas Getrenntem von dem, was gerade vor sich ging. Man war sich bewusst, dass man Teil von etwas Größerem war und bewegte sich entlang der inneren Logik der Handlung. Jeder sagte gleichermaßen aus, es wäre wie von einer Strömung getragen zu werden, spontan, mühelos, wie ein Fließen. Zudem vergäße man die Zeit und fürchte sich nicht vor Kontrollverlust.

Man wäre sicher, die Situation, wenn nötig, unter Kontrolle zu haben. Es wäre aber schwer zu bewerkstelligen, weil die Anforderungen hart seien. Es fühlte sich auf der einen Seite zwar vollkommen mühelos an, wäre aber dennoch im hohen Masse abhängig vom Konzentrationsvermögen und den Fertigkeiten. Es wäre also eine Art von paradoxem Zustand, wo man auf einem angenehmen Grat zwischen Streben und Unruhe einerseits und Langeweile andererseits stände. Man funktionierte auf diesem schmalen Grat, wo man gerade eben das tun konnte, was getan werden musste. Kollegen von mir haben zigtausende Menschen in aller Welt interviewt. Tuchweberinnen im Hochland Borneos, meditierende Mönche in Europa, katholische Dominikanermönche, und viele, viele andere. Sie alle sagten dasselbe. Flow scheint also ein phänomenologischer Zustand zu sein, der in allen Kulturen gleich ist. Was die Menschen tun, um in diesen Zustand zu gelangen, ist höchst unterschiedlich, aber das Erlebnis selbst wird auf sehr ähnliche Weisen beschrieben.”

So übst du im Flow

Der Kontakt zum Instrument

 Der Kontakt zum Instrument

Der Kontakt zum Instrument

„Hier geht es um den Tastsinn: Entscheidend sind die Punkte, an denen Sie unmittelbare Berührung mit Ihrem Instrument haben, insbesondere die Punkte, an denen Sie den Klang formen (allgemein: Hände, Fingerspitzen, bei Bläsern Lippen, Ansatz, bei Streichern die Kontaktstelle, die Verbindung von Bogen und Saite). Wichtig ist hier, dass eine effektive Kraftübertragung aus dem Körper über diese Berührungspunkte auf das Instrument stattfindet. Eine optimale Kraftübertragung äußert sich für Sie in dem Gefühl einer „satten“ taktilen Verbindung zum Klangkörper. Sie bietet Ihnen ein Höchstmaß an Sicherheit und Information bei der Erarbeitung und Bewältigung schwieriger Passagen. Sorgen Sie also an den Kontaktpunkten für ein permanentes, sattes Wohlgefühl!“

Die von Dipl. Psych. Andreas Burzik, der der Begründer des Übens im Flow ist, hier beschriebene Kontaktaufnahme ist die erste Bedingung für das Entstehen des Flow-Zustands beim Üben. Ich habe diesen Aspekt als sehr angenehm empfunden, weil man auf der Suche nach diesem Kontaktgefühl sein Instrument von einer neuen Seite kennenlernt. Durch die starke Konzentration auf den taktilen Part des Spiels findet man schnell das saftige und satte Gefühl, das von da an zum Üben und Spielen dazugehört.

Die Entwicklung des Klangsinnes

 Die Entwicklung des Klangsinnes

Die Entwicklung des Klangsinnes

„Hier geht es um das Hören: Bei der Entwicklung des Klangsinnes handelt es sich um eine gezielte Sensibilisierung für den Obertonbereich, also für den Klang beziehungsweise die Klangqualität. Experimentieren Sie mit der bewussten Beeinflussung des Obertonspektrums durch Veränderungen Ihrer Spielweise und suchen Sie eine Tonqualität, die Ihnen gefällt. Sorgen Sie konsequent für Tonschönheit, egal, was Sie spielen, also auch beim Üben von Technik! Dieser ästhetische Klang stellt eine Art Ausgangsbasis dar, von der aus Sie die verschiedenen, in Stücken verlangten Ausdrucksformen und Klangfarben spielerisch erkunden können. Eine derartige, auf die Tonqualität gerichtete Konzentration fördert ein äußerst genussreiches Aufgehen in den selbst erzeugten Klängen. Sie kann bei konsequenter Anwendung regelrecht „high“ machen und ist in der Lage, den gesamten Übe-Prozess zu tragen.“

Die Konzentration auf die Qualität des eigenen Klanges zu richten und immer sofort korrigierend eingreifen zu können, wenn man mit den erzeugten Klängen nicht zufrieden ist, hat eine innere Hygiene des Klangprodukts zur Folge. Andreas Burzik beschreibt sie im obigen Zeit punktgenau. Die dadurch entstehende Stimmigkeit mit den eigenen Klängen bewirkt eine tiefe Verbindung zum Instrument und fördert das Eintauchen in den Prozess des Spielens.

Der spielerische Umgang mit dem Übe-Material

 Spielerisch mit dem Material umgehen

Spielerisch mit dem Material umgehen

„Zu Beginn einer jeden Übe-Sequenz sollte in jedem Fall zunächst - in Form von einzelnen Tönen oder leichten Melodien - der oben beschriebene Kontakt zum Instrument, zum Klang und zum Gefühl der Anstrengungslosigkeit etabliert werden. Haben Sie dieses Gefühl erreicht, können Sie sich an die Erarbeitung der aktuellen Literatur machen. Spielen Sie zunächst improvisierend mit den Tönen des studierten Werkes herum. Notenwerte, Bindungen und dynamische Vortragszeichen müssen noch nicht beachtet werden. Setzen Sie zunächst einmal das vorgegebene Tonmaterial in optimal klingende Töne um und achten Sie dabei auf den oben beschriebenen dichten und „stimmigen“ Kontakt zum Instrument und zum erzeugten Klang. Verbessern Sie unmittelbar, was Ihnen störend auffällt! 

Achten Sie darauf, diese Suche nach Qualität im Tasten, Hören und Fühlen konsequent musikalisch zu gestalten! Ohne dieses musikalische Herangehen entsteht kein Flow, keine Kreativität, Sie bleiben im „Üben“ stecken. Ihre Musikalität ist der Treibstoff, der Sie in einem sich selbst organisierenden, von Ihren Sinnen geleiteten Prozess an die gewünschte Endfassung Ihres Stückes heranführt.“

Die beschriebenden drei Komponenten sind wichtig, um beim Üben in den Flow zu kommen. Jetzt möchte ich dir wie versprochen die Kurzanleitung zeigen, mit der du Flow sofort ausprobieren kannst: 

Nimm dir eine nicht zu einfache, aber auch nicht zu schwierige Passage Musik vor. Nun spielst du sie immer wieder im langsamem Tempo und achtest auf deijne Hände: Spüre, wie die Saiten durch die Fingerkuppen heruntergedrückt werden. Konzentriere dich vor allen auf die Kontaktpunkte in der linken Hand. Nun fokussierst du dich auf die rechte Hand und merkst, wie sich das Plektrum zwischen deinem Daumen und dem Zeigefinger anfühlt. Du spielst ganz einfach und ohne etwas zu tun weiter die Passage; es reicht, wenn du dich einfach auf den Kontakt zur Saite und zum Plektrum konzentrierst. 

Nun achtest du in einem zweiten Schritt nur auf den Klang. Gefällt er dir? Verändere die Position der rechten Hand und suche konsequent nach dem Sound, der dir am besten gefällt. Im dritten Schritt spielst du nun mit dem Material herum: Du spielst die Passage leise oder laut. Du wirst schneller, langsamer oder bleibst fast stehen. Du probierst sämtliche Dynamiken und eine breite Range an Tempi aus. Du spielst die Noten rückwärts. Mit dramatischem Ausdruck, Staccato, Legato, wirst extrem laut oder wahnsinig leise. 

Im letzten Schritt spielst du nun die Passage in einem angenehmen Tempo und achtest darauf, ob es irgendeine Stelle gibt, die dir Probleme macht. Hast du eine solche identifiziert, lässt du deine Hände nach einer Lösung suchen. Es ist ganz wichtig, dass du das nicht forcierst, sondern geduldig spürst, wie die Hände und Finger sich bewegen müssen, damit die Stelle gelingt. 

Ich bin sicher, dass du so komplett in dne Flow gekommen bist. Hat sich die Übezeit viel kürzer angefühlt als sie rein zeitlich war? Hast du Spass gehabt? Du wirst sehen, dass es von Tag zu Tag besser gelingt, in den Flow zu kommen. Wenn du mehr über Flow erfahren willst, kann ich dir mein E-Book Üben und Spielen im Flow empfehlen, das du dir unter diesem Blogpost anschauen kannst, wenn du auf den Link klickst.  

Das von Andreas Burzik begründete Üben im Flow kann für jeden Musiker eine echte Revolution darstellen. Durch die oben schon angesprochene Zielfixierung ist es für die meisten Musiker nicht einfach, diese Methode anzuwenden. Es fällt schwer, sich im Stück oder quasi ziellos zu bewegen. Diese Art der Vorbereitung auf die spätere Darbietung des Stückes erscheint vielen Musikern als sinnlos und nicht förderlich für die Erarbeitung neuer Literatur. Natürlich lässt sich diese Technik nicht in jeder Situation anwenden, da manchmal der Zeitdruck so enorm ist, dass auf alte Übe-Gewohnheiten zurückgegriffen werden muss, die einem ermöglichen, das Material zum Konzertzeitpunkt abrufbar zu haben. Trotzdem ist die oben beschriebene Art des Übens hocheffektiv und dazu geeignet, neues Material ganz tief im Gedächtnis zu verankern und während des Spielens emotional voll daran teilzunehmen. 

 
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Mit gerade einmal 35 Jahren ist der in Zürich lebende Musiker und Dozent Max Frankl auf dem besten Weg, sich in die oberste Liga der europäischen Jazz-Gitarristen zu katapultieren. Für sein kammermusikalisch-angelegtes Trio-Album „Stories“ erhielt er den „ECHO Jazz“ als bester Gitarrist national, der Nachfolger „Home“ wurde von der Presse begeistert gefeiert und war für den Deutschen Musikautorenpreis nominiert. Momentan arbeitet er mit dem New Yorker Soundkünstler Walrus Ghost an einem neuen Album und hat mit „Fernweh“ und „Live in Munich“ 2015 und 2016 neue, aufregende Musik veröffentlicht. Von März bis September 2017 verbrachte er ein halbes Jahr in seiner Wahlheimat New York City, wo er an seinem neuen Buch „Üben und Spielen im Flow“ gearbeitet hat. Mit „Introduction: Modern Jazz Guitar“ war 2016 sein erstes Buch im AMA-Verlag erschienen. Auf seiner im gleichen Jahr gegründeten Academy-Website hilft er Gitarristen, Jazzgitarre einfach, kompetent und mit viel Spaß zu erlernen.