BLOGMax Frankl

Wie finde ich gute Voicings für G7 auf der Jazzgitarre?

BLOGMax Frankl
Wie finde ich gute Voicings für G7 auf der Jazzgitarre?

G7 erzeugt Spannung 

An anderer Stelle habe ich schon öfter die These aufgestellt, dass Musik immer dem Prinzip von Spannung und Auflösung folgt. Dazu gäbe es jetzt unzählige schlaue Menschen zu zitieren, die dieses Phänomen genau untersucht haben und es mit eindrucksvollen Beispielen illustrieren können. Ich will allerdings auf etwas anderes hinaus: Wenn Musik immer oder sehr oft zwischen Spannung und Entspannung pendelt, ist es wichtig, auf der Jazzgitarre die musikalischen Tools zu beherrschen, die hierfür benutzt werden. 

Wenn wir die Akkordfolge G7 | Cmaj7 als ein Beispiel hierfür sehen, müssen wir uns genauer anschauen, wie man den Akkord G7 auf der Gitarre spielen kann und welche Variationen es von ihm gibt. Vielleicht hast du momentan noch ein relativ grosses Durcheinander an verschiedenen Akkord-Voicings.

Die Grundlagen beherrschen 

Der erste Schritt zu besseren Akkordgriffen für G7 beginnt damit, dass man zuerst vier einfach zu greifende und sehr gut klingende Varianten für G7 lernt: Die Drop-2 Voicings. Falls du noch nie von Drop-2 gehört hast, möchte ich dir diese kurz erklären: Wenn wir einen Akkord auf einem Grundton aufbauen, schichten wir innerhalb der Tonleiter Terzen übereinander. G7 steht auf der V. Stufe von C-Dur. Wir müssen also auf den Ton G Terzen schichten: G H D F = G7 Diese Schichtung nennt man enge Lage.

Wären wir Pianisten, könnten wir diesen Akkord wunderbar spielen. Durch die Tatsache, dass unsere Gitarre in vier Quarten und einer grossen Terz gestimmt ist, sind solche Akkorde, die in der engen Lage vorliegen, für uns sehr schwer zu greifen. Dafür gibt es einen Trick: Man dropt den 2. Ton von oben und spielt ihn eine Oktave tiefer. Unser neuer Akkord sieht so aus: D G H F = G7 Diese Schichtung nennt man Drop-2.

Diesen Akkord können wir perfekt greifen; aber nicht nur das, auch seine Umkehrungen liegen auf dem Gitarrenhals wunderbar da, so dass wir vier Variationen dieses Akkordes einfach nur lernen müssen. Wenn du das noch nicht gemacht hast, kannst du dir gratis ein PDF mit allen Drop-2 Voicings für die fünf wichtigsten Akkordtypen herunterladen. Meiner Meinung nach sind diese Griffe die zwanzig wichtigsten Akkorde, die man als Jazzgitarrist beherrschen muss. Zusätzlich dazu bekommst du auch meinen Newsletter, der die jeden Monat meine besten Tipps, exklusive Give-Aways und andere kostenlose Tricks direkt in die Inbox schickt.  

Drop2 auf zwei verschiedenen String-Sets

Diese Akkorde zu erlernen ist der erste Schritt. Wie dir aufgefallen ist, benutzen diese vier Griffe ausschliesslich die hohen vier Saiten, also D, G, H und E'. Der interessierte Gitarrist fragt nun natürlich sofort nach weiteren, hippen Akkorden. Bevor wir die lernen, müssen wir aber erstmal die Hausaufgaben machen. Die vier Drop-2 Akkorde werden nun natürlich so gelernt, dass wir sie in jeder Situation ganz einfach anwenden können. Sprich, wenn ein Eb7 um die Ecke biegt, spielen wir mühelos alle vier Umkehrungen. Und nicht nur das, wir übertragen sie natürlich auch auf das tiefere String-Set: A, D, G, H. 

Hast du das erledigt, gratuliere ich dir herzlich dazu, denn: Nun kannst du G7 und alle seine dom7-Kollegen in insgesamt acht Positionen auf der Gitarre greifen und diese Akkorde nicht aus einer "grifflichen" Notwendigkeit verwenden, sondern sie je nach dem musikalischen Kontext anwenden. Ist ja logisch, die Musik soll sagen, welchen Akkord wir spielen, nicht die Notwendigkeiten unserer linken Hand. 

Wie gesagt, Glückwunsch und Chapeau, jetzt gehen wir zum Profi-Tipp.

Deine eigenen Akkorde basteln 

Wir bauen nun unsere eigenen Akkordgriffe: Such dir irgendeinen Grundton in C-Dur aus. überlege dir nun zwei Intervalle, mit denen du schichten willst. Diese müssen nicht gross, klein oder rein sein, denn das ergibt sich automatisch. Ein Beispiel: Mein Ton ist E, meine Intervalle sind eine Quarte und eine Sekunde. Wir schichten also auf den Ton E innerhalb von C-Dur eine Quarte (A) und darauf eine Sekunde, also H. Unser Akkord ist also: E A H. 

Jetzt wirst du sicher sagen: "Moment, das ist doch gar kein Akkord." Ja, das stimmt. Das ist eine Textur in Mixolydisch. Und sie schieben wir nun aufwärts durch die Tonleiter. Wir bekommen also folgende Akkorde: 

E A H >> F H C >> G C D >> A D E >> H E F >> C F G >> D G A >> E A H

 
 Wie finde ich gute Voicings für G7 auf der Jazzgitarre?

Wie finde ich gute Voicings für G7 auf der Jazzgitarre?

 

Diese Griffe funktionieren wunderbar auf den Saiten D, G und H. Sie haben zwei Vorteile: Wir können plötzlich Akkorde spielen, die wir auf dem Griffbrett quasi stufenlos auf- und abwärts schieben können, so dass wir immer auf Bewegungen des Solisten reagieren können. Zum anderen sind diese Strukturen viel offener, weil sie nicht immer "G7!!!" schreien. Viele Solisten mögen genau wegen dieser Art des offenen Compings auch Gitarristen so gerne. Nun kannst du schauen, welche dieser Variationen dir am besten gefällt und diese als neues und eigenes Voicing in dein Repertoire aufnehmen. Viel Erfolg damit!